Zackelschafe - Archaische Schönheiten Part I
- Denise Bertram
- 3. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Tiere, die wirken, als seien sie direkt aus einer anderen Zeit zu uns herübergewandert. Die Zackelschafe gehören genau in diese Kategorie. Mit ihren imposanten, schraubenförmigen Hörnern, dem oft zotteligen Fell und ihrem stolzen Blick erinnern sie an uralte Darstellungen aus Sagen und Mythen.
Aber meine Geschichte mit den "Zackelis" hat anders begonnen....
Letzten Herbst ist mir etwas Aussergewöhnliches in die Hände gefallen: ein Zackelschaf-Fell, natürlich gefilzt :-)). https://fellfilzerei.ch/ Es war weich und gleichzeitig kraftvoll, voller Struktur und Charakter. Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment und an die Frage, die ich mir sofort stellte:
Was für ein Schaf wohl so ein wunderschönes Kleid trägt?!
Kaum zuhause, begann ich zu recherchieren - und es war um mich geschehen. Auf den Bildern begegneten mir wahre Schaf-Schönheiten: stolz, edel und Gesichter, welche mich mehr an Einhörner als an Schafe erinnerten. Es war mir sofort klar, dass ich diese Tiere nicht nur sehen, sondern kennenlernen und fotografieren wollte.

Bald fand ich den Zackelschaf-Züchter der ersten Stunde in der Schweiz: Hans-Peter Weber.
https://www.zackelschaf.ch/ Er begegnet seinen "Zackelis" mit Ruhe, Geduld und viel Aufmerksamkeit. Seine tiefe Verbundenheit zu diesen Tieren ist sofort spürbar. Er kennt jedes Einzelne von ihnen - ihre Eigenheiten, ihre kleinen Launen und das, was sie so einzigartig macht.
Hans-Peter war von meiner Idee begeistert, seine Zackelschafe fotografisch zu begleiten. So entstand ganz selbstverständlich eine Win-Win-Situation: meine Bilder, seine Tiere - und gemeinsam eine Geschichte, die erzählt werden will.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Zackelschafe sind eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse. Hans-Peters Herzensanliegen ist es, genau das zu ändern, indem er sie wieder sichtbarer macht und ihnen in der Schweiz einen festen Platz zurückgibt.
Bereits seit über 1000 Jahren
begleitet diese eindrückliche Schafrasse den Menschen. Ihre Wurzeln reichen noch weiter zurück - bis zum südwestasiatischen Wildschaf, dem Urial, vom dem sie abstammen soll. Bis ins 18. Jahrhundert waren sie weit verbreitet. Erst mit dem Wandel der Landwirtschaft gerieten sie zunehmend in den Hintergrund. Neue Rassen rückten in den Focus - effizienter und angepasster an neue "Erwartungen".
Zackelschafe sind nicht „lukrativ“ im klassischen Sinne. Aber sie sind unerlässlich - für Biodiversität, für kulturelles Erbe und für dieses stille ästhetische Staunen, das sich nicht in Zahlen fassen lässt.
Ihre Eigenschaften machen sie zu wunderbaren Landschaftspflegern - ganz ohne Maschinen, eher wie sanfte Rasenmäher auf vier Beinen ;-) Sie helfen mit, artenreiche Wiesen und Alpenweiden offen zu halten, einfach indem sie da sind.
Ihre traumhaft schöne Wolle, ihr Fleisch und sogar ihre Milch zeugen von einer grossen Vielseitigkeit, auch wenn sie wirtschaftlich nicht mit modernen Hochleistungsrassen konkurrieren können.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Frage: Muss wirklich alles rentieren, effizient sein, sich lohnen? Oder darf etwas nicht einfach nur existieren - schön, widerstandsfähig, lebendig?
Nähe und Gemeinschaft
Was mich an den "Zackelis" besonders berührt, ist ihr starker Familienverband. In der Herde scheint jedes Tier seinen Platz zu kennen, seine Aufgabe, seine Rolle. Es gibt eine natürliche Ordnung, getragen von Ruhe und gegenseitiger Aufmerksamkeit. Die Gruppe hält zusammen - leise und selbstverständlich.
Diese Form von Gemeinschaft hat etwas Zeitloses. Vielleicht ist es genau das, was uns beim Beobachten so berührt: ein Miteinander, das nicht erklärt werden muss, sondern einfach funktioniert. Und ganz unabhängig von allem anderen:
Sie sind einfach wunderschön.
Die Linien ihrer Hörner, das lebendige Fell im Wind, die feine, muskulöse Eleganz ihres Körpers - all das macht sie für mich zu den perfekten Protagonisten meiner Fotografie.
...Und so wuchs aus der ersten Begegnung eine Idee und aus der Idee ein
Projekt.
Ein Projekt für Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
Weil ich daran glaube, dass Bilder mehr können als zeigen. Dass sie Nähe schaffen, berühren, und dass Sichtbarkeit oft der erste Schritt ist, damit etwas bleiben darf.

Weitere Zackelgeschichten werden folgen - auch von Orten, an denen wir sie nicht erwartet
hätten: selbst im hintersten Teil Schottlands, und von den Lämmern, in ihren weissen Pullöverchen....
Doch das sind Geschichten für den nächsten Teil.
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Herzlichst
Denise





























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