Zackelschafe - Jetzt kommt das Fell weg Part III
- Denise Bertram
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Ganz kurzfristig kam am Freitag der Anruf: Am Montag ist Schafschur.
Und das Beste daran – es ist eine Frau.
Eine Frau, dachte ich mir, wow!Das braucht nicht nur starke Arme, sondern auch eine starke Persönlichkeit.
Also stellte ich meinen schon ziemlich vollenTerminkalender um. Dieses Ereignis wollte ich auf keinen Fall verpassen. Als ich am Mittag ankam, war ein Teil der Herde bereits geschoren.Sie standen im Stall und warteten ungeduldig, bis sie endlich wieder nach draussen konnten- und, so ziemlich nackt ohne ihren wunderschönen Haarschmuck.
So ein Schafschurtag bedeutet immer auch maximum Stress für die Tiere. Die Älteren wissen zwar, was kommt – und doch ist die Aufregung sehr gross.
So lerne ich also Tanja kennen und bin sofort beeindruckt. Noch so jung, und doch merkt man schnell, wie viel Erfahrung und Leben bereits in ihr steckt.
Sie erzählt, dass ihr die Arbeit mit den Schafen so viel Freude bereitet. Und genau das sieht und spürt man in jedem Handgriff.
„Ich bin vielleicht nicht die Schnellste,“ sagt sie, „aber es ist mir wichtig, dass ich die Tiere nicht verletze – und dass sie spüren, dass sie mir vertrauen können.“
Ihr Weg zur Schafschererin begann ganz natürlich weil sie selbst Schafe hält und alles rund um die Tiere eigenständig machen wollte.
So kam eines Tages ein bekannter Schafscherer aus England zu ihr und zeigte ihr das Handwerk. Möglichkeiten zum Üben hatte sie ja genug: Ihre eigenen zehn Skudden-Böcke und eine Heidschnucke, die sie zum Decken vermietet, wollen ja auch jedes Jahr geschoren werden.
Und als sie erzählt, dass sie einen Sommer lang mit einer Freundin und über tausend Schafen auf der Alp war, bin ich endgültig beeindruckt.
(Bilder von Tanja zur Verfügung gestellt)
Die Maschine ist laut.Tanja arbeitet mit Kopfhörern, Musik im Ohr.
„AC/DC passt gut zur Schur der Böcke,“ sagt sie lachend.
Hans-Peter hat zwei ausgewachsene Böcke – Tayo und Jaguar. Dazu kommen noch drei Jungböcke.
Während alles ruhig und routiniert abläuft, nutzt Tayo plötzlich einen winzigen Moment der Unachtsamkeit. Nach zwei Dritteln der Schur versucht er auszubüchsen.
Und ehe man sich versieht, verteilt sich das schöne Fell – das ich eigentlich unbedingt hätte filzen wollen – quer über den ganzen Boden.
Doch am Ende kommt auch er nicht ungeschoren davon....
So geht ein Schafschurtag zu Ende.
Nach Kaffee und Kuchen zieht Tanja weiter- nochmals warten zehn Schafe auf sie.
Und ich gehe mit drei Zackeli-Fellen nach Hause, die wir später bei Carmen in der Fellfilzerei Jawoll https://www.fellfilzerei.ch/ zu schönen, vegetarischen Fellen weiterverarbeiten.
Es war ein schöner Nachmittag.
Mit der Schafschur schliesst sich wieder ein Kreis und neue Geschichten stehen bereits vor der Tür.
Übrigens: Auf Tanjas Auto steht der Satz „Bei mir kommt kein Schaf ungeschoren davon.“ Nach diesem Tag kann ich sagen: Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen :-))
Zusammen mit Aurin, ihrem Bordercollie, der stets an ihrer Seite ist, seine Herde zusammenhält und die Aufgabe als Hütehund sehr ernst nimmt, ziehen die Beiden weiter -
weil eben....die nächsten Schafe warten schon....

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Herzlichst
Denise

































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